Jagdbare Tiere in Estland

Braunbär, Ursus arctos

Der Braunbär ist das größte Raubtier in den estnischen Wäldern. Die hier lebenden Bären sind mittelgroß mit Gewichten zwischen 90 und340 kg. Der Schädel des größten in den estnischen Wäldern erlegten Bären bekam 67.46 CIC-Punkte zugesprochen (CIC – Weltorganisation der Jäger), das ist der Rekord innerhalb der Baltischen Ländern und Nummer10 inder Weltrangeliste. Im Jahre 2007 wurden 27 Bären geschossen, 2008 waren es 37.

Auf Bären (ausgenommen auf eine Bärin mit Jungen) darf man vom 1. August bis 31. Oktober in ihrem Revier jagen (Versteckjagd oder Lauerjagd), wenn sie Schäden verursacht haben und weiterem Schaden vorgebeugt werden soll. “Problembären” dürfen gejagt werden.

Im Jahre 2009 wurden auf Bären 60 Jagderlaubnisse ausgestellt, aber bis zum

Ende der Jagdsaison wurden nur 40 – 45 Bären geschossen. 2010 gab es ebenfalls 60 Jagderlaubnisse und es wurden 57 Bären geschossen. 2011 wurde die Erlaubnis zum Abschuß von 65 Bären erteilt.

 

Wolf, Canis lupus

Der Wolf ist das am meisten gefürchtete Raubtier der estnischen Wälder. Der größte abgeschossene Wolf hatte ein Gewicht von82 kg. 2007 wurden 39 Wölfe erlegt, 2008 waren es sogar 156 Tiere. Wölfe gibt es fast überall in Estland, im Jahre 2009 waren es etwa270. Inder Jagdsaison vom 1. November 2009 bis zum 28. Februar 2010 wurde eine Jagderlaubnis auf 173 Wölfe erteilt, geschossen wurden aber nur 101 Tiere.

Wölfe werden in Estland Sanitäter der Wälder genannt, weil sie meist kranke oder verletzte Tiere jagen und damit die Zahl der Nagetiere und Huftiere im Zaum halten.

 

Elch, Alces alces

Elche gehörten schon immer zu den meistgeschätzten Jagdtieren Estlands. Der Elch ist das größte Tier der hiesigen Wälder. Große Elchbullen können mehr als eine halbe Tonne wiegen. Die Zahl der erlegten Elche betrug in den vergangenen Jahren 4911 (2007), 4133 (2008), 4031 (2009) und 4255 (2010).

In Estland gibt es etwa 10 000 Elche. Jedes Jahr wird etwa ein Drittel von ihnen geschossen, trotzdem wird die Population nicht kleiner, weil der jährliche Zuwachs ebenfalls 30 % beträgt. Die erwachsenen Tiere wiegen durchschnittlich 300 bis500 kg, Elchkälber ca.100 kg.

 

Rothirsch, Cervus elaphus

Von einem Rothirschgeweih träumt wahrscheinlich jeder Jäger in Estland. Erjagen kann man sich diese Trophäe vor allem auf den Inseln Hiiumaa und Saaremaa, wo dieses Wild verbreitet ist. Im Jahre 2007 wurden 220 Rothirsche geschossen, 2008 waren es300, inden Folgejahren 403 (2009) und 497 (2010).

 

Wildschwein, Sus scrofa

Wildschweine gibt es in Estland seit den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts, heute sind sie über ganz Estland verbreitet. Das Gewicht der hiesigen Wildschweine beträgt gewöhnlich 50 -150 kg. Der größte erlegte Keiler brachte350 kgauf die Waage, die größte Bache300 kg.

2007 wurden 13 818 Wildschweine geschossen, die Abschussquoten der Folgejahre beliefen sich auf 19.757 (2008), 20.072 (2009) und 17.028 (2010) Tiere. Die Keiler leben normalerweise als Einzelgänger. In der Paarungszeit stoßen sie zur Herde. Beim Aufeinandertreffen mehrerer Männchen kann es zu heftigen Kämpfen kommen kann, die mit der Vertreibung des schwächeren Konkurrenten enden. Der Gewinner befruchtet alle Bachen dieser Herde.

 

Reh, Capreolus capreolus

Rehe sind die zahlreichsten Paarhufer in Estland. Derzeit ist der Bestand gut. Das durchschnittliche Gewicht der hiesigen Tiere beträgt 25 –30 kg.

2007 wurden 19 643 Rehe erlegt, 2008 waren es 18 006 und in den Jahren 2009 und 2010 gab es 15 716 bzw. 5075 Abschüsse. Die Brunftzeit der Rehe dauert von Ende Juli bis Ende August. In dieser Zeit hört man das Schnauben der Böcke und das leise Fiepen der Ricken. Treffen zwei Böcke aufeinander, mustern sie sich gegenseitig eingehend. Stellt sich heraus, dass einer der Böcke deutlich schwächer ist, flüchtet er. Sind die Gegner dagegen ebenbürtig, beginnt die Kraftprobe. Die Tiere kämpfen so lange, bis der Unterlegene flüchtet oder umkommt. Der stärkere Bock deckt die Ricken. Eine Ricke bringt 1 – 2 (selten 3) fleckige Kitze zur Welt, die es am Anfang ihres Lebens schwer haben. Sie werden von Luchsen, Bären, Wölfen und sogar Füchsen gejagt. Viele Rehe finden ihr Ende bei der Getreideernte und auf den Autostraßen.

 

Luchs, Felis lynx

Der Luchs ist die einzige in Estland dauerhaft lebende Wildkatzenart. Luchse wiegen durchschnittlich 20 -25 kg. Ein Luchs erlegt, nach unterschiedlichen Quellen, im Jahr zwischen 40 und 80 Rehe. Der Schädel des größten in Estland erlegten Luchses bekam 28.99 CIC-Punkte zugesprochen, damit rangiert er an 2. Stelle der Weltrangliste. Das estnische Luchs-Rekordfell erlangte 214.84 CIC Punkte – auch das ist ein Weltrekord. Im Jahre 2007 wurden 76 Luchse geschossen, die Abschussstatistik der Folgejahre beläuft sich auf 150 (2008), 184 (2009) und 181 (2010) Tiere.

In der Jagdsaison 2009/2010 wurden für ganz Estland 210 Luchse zum Abschuss freigegeben, es wurden jedoch nur 180 Luchse erlegt.

Die Paarungszeit ist von Februar bis März. Bei einem paarungsbereiten Weibchen finden sich oft mehrere Männchen ein. Das Weibchen ist nur 3 Tage paarungsbereit, die Trächtigkeit dauert 63 – 74 Tage.

 

An estnischem Kleinwild wären noch Biber, Mink, Hase, Marderhund, Dachs, Marder, Bisamratte, Fuchs und Iltis zu nennen.

 

Flugwild

 

Kormoran, Phalacrocorax carbo

Diese großen Vögel mit dunklem Federkleid kann man sowohl am Meer als auch im Süsswasser finden. In den letzten zehn Jahren ist dieser Vogel bei uns sehr zahlreich geworden. Er kann bis 2,5 Kilo wiegen. Die Jagd erfolgt zur Regelung des Bestands.

 

Graureiher, Ardea cinerea

Der Graureiher ist der größte und häufigste Reiher in Europa. Seine Gefiederfarbe ist grau. Er verursacht in der Fischerei beachtlichen Schaden. Graureiher werden zwecks Regulation des Bestands gejagt.

 

Saatgans, Anser fabalis

Die Saatgans nistet in sumpfigen Regionen sowie in der Taiga in den Gebieten am Nördlichen Eismeer. Die Grundfarbe ihres Gefieders ist braun, die Füße sind orange-gelb. Sie wiegt bis4,2 kg.

 

Blässgans, Anser albifrons

Diese Gänseart ist in arktischen Gebieten verbreitet, in Estland sieht man sie im Frühling und Herbst beim Durchzug. Ihr Gewicht beträgt bis zu3,3 kg.

 

Graugans, Anser anser

Graugänse nisten auf Island, in Schottland, Finnland und Schweden, von Mitteleuropa bis zum Stillen Ozean. In Estland halten sich sowohl heimische Brutvögel als auch Durchzügler auf. Sie nisten an schilfreichen Buchten und Küstenseen, sowie auch auf Meeresinseln. Ihr Gewicht beträgt bis 4,5 kg.

 

Kanadagans, Branta canadensis

Die Kanadagans ist ein großer Vogel, ihr Gewicht beträgt bis zu5,4 kg. Es gibt viele Unterarten. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Kanadagans ist Nordamerika. Das weiße Kinnband ist ihr charakteristisches Merkmal. Die nächsten Nistorte von Kanadagänsen befinden sich in Finnland und Schweden. In Estland werden jedes Jahr einige Exemplare beobachtet.

 

Weißwangengans, Branta leucopsis

Weißwangengänse brüten auf Grönland, auf Spitzenbergen und in anderen Gebieten um das Nördliche Eismeer. Kleinere Gruppen brüten auch bei uns in Estland. Im Herbst werden zahlreiche Durchzügler beobachtet. Ihr Gesicht ist weiß, Scheitel, Nacken und Hals sind schwarz, das Gewicht beträgt bis2,4 kg.

 

Pfeifente, Anas penelope

Pfeifenten sind etwas kleiner als Krähen und ziemlich stämmig. In Estland sind sie vor allem Durchzügler, einige brüten hier auch im Sommer. Im Juni und Juli kann man Gruppen von mausernden Männchen auf den Meeresbuchten beobachten. Pfeifenten wiegen bis1 kg.

 

Schnatterente, Anas strepera

Diese Enten sind kleiner als Krähen, beim Schwimmen sind sie den Stockenten ähnlich. Sie brüten hauptsächlich in Süd-Nordeuropa und bevorzugen pflanzenreiche Gewässer. In Estland kommen sie als Brutvögel vor, sind jedoch nicht zahlreich. Ihr Gewicht beträgt bis 1,3 kg.

 

Krickente, Anas crecca

Krickenten gehören zu unseren kleinsten Schwimmenten. Als Nistorte bevorzugen sie  unsere Binnengewässer. Sie kommen hier als heimische Brutvögel und auch als Durchzügler vor und sind recht zahlreich. Von der Größe sind sie etwa mit Dohlen vergleichbar bei einem Gewicht bis 500 g.

 

Stockente, Anas platyrhynchos

Stockenten haben einen relativ kompakten Körper und sind größer als Krähen. Sie wiegen bis1,5 kgund machen zahlenmäßig den größten Anteil unseres jagbaren Flugwilds aus.

 

Spießente, Anas acuta

Spießenten sind etwas kleiner und schlanker als Stockenten bei einem Gewicht bis1,3 kg.

 

Knäkente, Anas querquedula

Die Knäkente ähnelt der Krickente, hat aber helleres Gefieder. In Estland gibt es einheimische Brutvögel und außerdem eine kleinere Zahl von Durchzüglern. Sie überwintern meist in Afrika. Ihr Gewicht beträgt bis600 g.

 

Löffelente, Anas clypeata

Löffelenten sind kleiner als Krähen. Sie brüten in Meeresbuchten, seltener an Seen und werden bis1 kgschwer.

 

Tafelente, Aythya Fermina

Tafelenten leben bei uns ziemlich zahlreich als Brutvögel. Obwohl ihr Fleisch schmackhaft ist, werden sie nur selten gejagt. Im Herbst werden nur einige Dutzend von ihnen erlegt. Sie überwintern in den Mittelmeerländern.

 

Reiherente, Aythya fuligula

Die Reiherente gehört zu den häufigsten Tauchentenarten in Estland, wobei ihre Population ständig wächst. Reiherenten sind auf Inseln, Küstenseen, Binnengewässern, ja sogar auf Fisch- und Moorteichen verbreitet.

 

Eiderente, Somateria mollissima

Diese Vögel sind von der Größe mit kleinen Gänsen vergleichbar. Sie sind ziemlich ungeschickt und fliegen schwerfällig. Zu Beginn der Jagdsaison haben sie Estland jedoch meist verlassen. Eiderenten können bis2,8 kgwiegen.

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Eisente, Clangula hyemalis

Eisenten sind kleiner als Reiherenten. Sie nisten in der Tundrazone und bilden in Estland die zahlenmäßig stärkste Durchzüglergruppe. In manchen Jahren kann ihre Zahl bis zu einer Million betragen.

 

Trauerente, Melanitta nigra

Trauerenten sind von der Größe mit Raben vergleichbar. Hunderttausende von ihnen ziehen an der estnischen Nordküste entlang. Zur Jagdbeute werden sie zufällig. Trauerenten wiegen bis1,5 kg.

 

Fasan, Phasianus colchicus

Im Jahre 2007 wurden in Estland 140 Fasane erlegt. Die Zahl der geschossenen Tiere betrug 56 im Jahr 2008, 127 im Jahr 2009 und 112 im Jahr 2010.

 

Schellente, Bucephala clangula

Schellenten kommen in Estland nicht sehr zahlreich vor. Sie nisten hauptsächlich an Waldseen und Flüssen und sind auch mit künstlichen Nestern zufrieden. Als Durchzügler erscheinen sie in Estland in großer Zahl, ihr Überwinterungsgebiet ist die Ostsee oder Nordsee. Ihr Gewicht beträgt bis1,3 kg.

 

Haselhuhn, Bonasa bonasia

Haselhühner sind typisch für  Nadelwälder der Taigazone und sind dicht verbunden mit feuchten unterholzreichen Fichten-Mischwäldern.

 

Rebhuhn, Perdix perdix

In Estland ist die Unterart Perdix perdix lucida verbreitet, die eigentlich für Steppen- und Waldsteppengebiet charakteristisch ist. Rebhühner suchen ihre Nahrung auf dem Boden. In den nördlichen Teilen ihres jetzigen Areals sind sie „nach dem Pflug“ also nach der Nahrung angekommen. Vom Aussehen ähneln Rebhühner dem Haushuhn, nur sind sie wesentlich kleiner.

 

Blässhuhn, Fulica atra

Blässhühner, auch Wasserhühner genannt, sind wahrscheinlich als schwarze Wasservögel jedem vertraut. In Estland sind sie häufige Brutvögel. Sie können bis1,2 kgwiegen.

 

Bekassine, Gallinago gallinago

Bekassinen bewohnen Sümpfe, Feuchtwiesen, Auen und Hochmoorränder. Sie sind größer als Stare. Sie steigen im Zickzackflug auf, begleitet von charakteristischen Lauten. In Estland sind sie als Brutvögel und Durchzügler zu beobachten.

 

Waldschnepfe, Scolopax rusticola

Von der Größe sind Waldschnepfen mit Dohlen vergleichbar, in Estland kommen sie als Brutvögel und Durchzügler vor. In milden Wintern ziehen sie teilweise nicht nach Süden, sondern bleiben in quellenreichen Gebieten. Bevorzugte Nistplätze sind feuchte Mischwälder und Bruchwälder mit Lichtungen. Die Vögel wiegen bis420 g. Im Jahre 2007 wurden 1192 Waldschnepfen erlegt, 2008 waren es 979, und 2009 und 2010 waren es 976 bzw. 1475.